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Wirtschaft Trump Zölle

Stiglitz, Krugman, Weber, Tooze – so blicken Ökonomen auf Trumps Zölle

Trump hat mit seinen neuen Zöllen Chaos gestiftet. Ökonomen ordnen ein und geben einen Ausblick, was nun zu erwarten ist.

4 Minuten Lesedauer
Die Märkte haben auf Trumps Zoll-Ankündigung empfindlich reagiert. Credit: IMAGO/Eibner

Ökonominnen und Ökonomen haben vor Trumps Zöllen gewarnt, doch er hat sich nicht beirren lassen: Mindestens 10 Prozent werden nun auf Importe in die USA fällig. Hinzu kommen landesspezifische Sätze. Waren aus der EU sollen mit 20, Waren aus China mit 34 Prozent verzollt werden – südostasiatischen Ländern wie Vietnam oder Kambodscha wurden nahezu 50 Prozent aufgebrummt. Dieser Einschnitt in den globalen Handel wird großen Schaden anrichten – da sind sich Expertinnen und Experten weitestgehend einig. Die Zölle schlagen auf mehreren Ebenen ein: in der US-Wirtschaft und den dortigen Verbraucherpreisen als auch in der internationalen Wirtschafts- und Handelspolitik. Erste Einschätzungen zeigen, mit welchen Auswirkungen die USA und die Welt rechnen können.

Summers: Trump sorgt für Disruption

Primär erfährt Trumps Zollpolitik Kritik, weil sie ihr eigentliches Ziel verfehlt. In seiner Ansprache am Mittwoch betonte Trump, er wolle den USA zu Reichtum verhelfen. Dass wahrscheinlich das Gegenteil eintreten wird, sagt Lawrence Summers, ehemaliger Finanzminister unter Präsident Clinton und  Direktor des Nationalen Wirtschaftsrats unter Präsident Obama. Auf X ärgerte er sich über die Ankündigung Trumps von Mittwoch: »Noch nie hat eine Stunde präsidialer Rhetorik so viele Menschen so viel gekostet. Die beste Schätzung der Verluste durch die Zollpolitik liegt derzeit bei 30 Billionen Dollar oder 300.000 Dollar pro vierköpfige Familie.« Auf diese riesige Zahl kommt er, indem er den 4-Billionen-US-Dollar-Verlust der US-Börsen seit Trumps Präsidentschaft zur Grundlage nimmt und schätzt, dass dieser Absturz erst der Anfang war. Aus Summers Tweets geht vor allem Eines hervor: Zölle sind disruptiv, sie stören den Handel – ob an der Börse oder auf dem Weltmarkt. Die Einführung der Zölle betrachtet Summers als einen »Angebotsschock«, ähnlich wie ein »Ölpreisanstieg, ein Erdbeben oder eine Dürre«, wie er in der Wall Street Week von Bloomberg TV sagte.

Weber: Zölle befeuern die Inflation

Konkret könnte die Zollerhöhung einer ersten Schätzung zufolge bedeuten, dass in den USA Waren wie Textilien um bis zu 18 Prozent, und Industrieprodukte wie Elektronik oder Autoteile um bis zu 10 Prozent teurer werden könnten. Darauf, dass Trumps Zölle inflationär wirken können, machte Isabella Weber schon vor deren Einführung aufmerksam. Die Surplus-Herausgeberin kommentierte Trumps vorgestrige Ankündigung auf Bluesky: »Machen Sie sich bereit für die nächste Inflationsschlacht! Diesmal mit freundlicher Genehmigung von MAGA« (»Make America Great Again«). Dabei verwies sie auf eine ihrer Studien aus dem November vergangenen Jahres, in der sie von »Verkäuferinflation« (»seller’s inflation«) schreibt. Damit ist gemeint, dass marktbeherrschende Unternehmen externe Schocks als Vorwand für überproportionale Preiserhöhungen ausnutzen. Das war der Studie zufolge der Hintergrund der Inflation zur Zeit der Covid-19-Pandemie, und könnte nach Weber auch jetzt für neue Preisspitzen sorgen. Denn: In erster Linie stellt Trumps Zollpolitik einen Schock im internationalen Handelssystem dar. Diesen können Unternehmen beliebig ausnutzen, um Verbraucherinnen und Verbrauchern höhere Preise aufzubrummen. Die genannten 18 beziehungsweise 10 Prozent auf Textilien und Industrieprodukte könnten also noch weitaus höher ausfallen.

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Xenia Miller

Xenia Miller ist Redakteurin bei Surplus. Sie hat Politikwissenschaften und Politische Theorie studiert und hat vorher bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gearbeitet.